malenki.net interview with Luise Schroeder

Währenddessen in Potsdam — Ein Interview mit Luise Schröder

Welche Beziehung hast du zum Medium Fotografie?

In meinen multimedialen Arbeiten, Videos, Fotografien, Publikationen und Vermittlungsformaten beschäftige ich mich mit Fragestellungen von Geschichts- und Erinnerungskonstruktionen und deren Bedeutung für die Gegenwart. Im Besonderen interessiert mich inwiefern Narrative und Formen des Gedenkens durch Politik, Medien und Bildproduktionen beeinflusst werden und dabei Gemeinschaften und Identitäten formen und legitimieren. Im Zentrum meiner künstlerischen Praxis steht dabei das fotografische Bild und seine Rolle in Bezug auf kollektive gesellschaftliche Gedächtnisse. Es geht mir um Fotografie als Zeugnis, als Dokument, als vermeintlicher Generator von Wahrheit und Objektivität, kurz gefasst: Mich interessiert das indexikalische Moment innerhalb der Fotografie. Als Künstlerin arbeite ich mit bestimmten Bildern. Ich verstehe mich sowohl als Bildanalytikerin als auch als Bildproduzentin.

 

Welche Rolle spielt das Publizieren in deiner künstlerischen Praxis und im speziellen in deinen Arbeiten Die historische Front und Die vergessene Mobilisierung?

Publikationsformate innerhalb meiner künstlerischen Praxis begreife ich als inhaltliche und formale Erweiterungen bestehender Präsentationsweisen z.B. in Ausstellungen, in Performances oder als Teil von Installationen. Sie ermöglichen es die künstlerische Arbeiten neu und anders zu denken und zu lesen. Die Publikation Die historische Front beschäftigt sich mit dem Denkmal des Unbekannten Soldaten in der Stadt Brno. Die Publikation macht die komplexe Verflechtung und Schichtung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sichtbar und überführt sie in eine entsprechende gestalterische Form. Man kann das Heft aus vier unterschiedlichen Perspektiven lesen.

 

Die Historische Front — Luise Schroeder
Luise Schröder — Die Historische Front

 

Das Poster zur Arbeit im öffentlichen Raum Die vergessene Mobilisierung versammelt Recherchematerialien zum Generalstreik der Frauen Wittenbergs im Jahre 1987 und sucht nach dem alternativen und utopischen Potential innerhalb von tradierten geschichtlichen Erzählungen.

 

The forgotten mobilization — Luise Schröder
Luise Schröder — Die vergessene Mobilisierung
The forgotten mobilization — Luise Schröder
Luise Schröder — Die vergessene Mobilisierung

Woran arbeitest du im Moment?

Momentan arbeite ich an einem Projekt mit dem Titel La Barricade – Existing as a promise. Es geht dabei um den visuellen Mythos von Barrikaden in Paris und Frankreich über die Jahrhunderte hinweg. Die Vorarbeiten dazu entstanden 2018/2019 während meines Residenzaufenthaltes an der Cité internationales des arts in Paris.

 

Barricade recherche — Luise Schroeder
Barricade recherche — Luise Schröder

 

Zu dieser Arbeit soll auch ein Künstler*innenbuch entstehen. Außerdem mache ich gerade die Bildauswahl für eine fotografische Arbeit, die den 75.Jahrestag der Befreiung von Paris zum Thema hat. Ich beschäftige mich mit der Nachstellung von historischen Ereignissen und der Frage, wie geschichtliche Narrative innerhalb der Politik der Gegenwart konstruiert, visualisiert und repräsentiert werden.

 

Diese und weitere Arbeiten finden sie auch auf Luise Schröders Website www.luiseschroeder.org

Die folgenden Publikationen von Luise Schröder sind bei malenki.net erhältlich.